• 06.11.2019 │ AUS DER LOUNGE

    „Zufriedener mit dem, was man hat“

    Lennart Schneider ist seit mehr als fünf Jahren Projektleiter bei APOprojekt. Der gebürtige Karlsruher hat Architektur studiert und im Anschluss in Hamburg, Bochum und Frankfurt am Main gearbeitet. Bei APOprojekt fühlt er sich besonders wohl, und das hat unter anderem diesen Grund: Im hauseigenen Intranet stieß er auf das Angebot, ein Sabbatical zu machen. Er nutzte die Chance – und kam deutlich zufriedener und ein wenig pragmatischer zurück. Im Interview berichtet er von seinen Erfahrungen auf der zweimonatigen Asienreise.

    Manche Szenen haben bei Lennart Schneider einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Gleichzeitig „geben sie einem im eigenen Arbeitsalltag ein wenig Gelassenheit.“ – heute geht er etwas pragmatischer auf die Baustelle als vor seiner Reise

    Foto: Shutterstock

    Du warst zwei Monate in Ostasien unterwegs. Frei nach dem Motto „Ich bin dann mal weg“. Wie haben Freunde und Kollegen reagiert?
    Viele meiner Freunde waren begeistert – und vielleicht auch ein wenig neidisch. Tatsächlich war ich der Einzige im Freundeskreis, der diese Chance hatte – oder genutzt hat. Allerdings haben mich Freunde auf einzelnen Etappen meiner Reise begleitet. Die Kollegen fanden den Schritt entschlossen. So war zumindest mein Gefühl.

    Würdest du sagen, die Reise war insgesamt doch eher ein schöner langer Urlaub, aus dem man gestärkt in den Alltag zurückkommt? Oder hat die Zeit dich verändert?
    Das hat was verändert, natürlich. Wenn man eine lange Zeit unterwegs ist und so viele verschiedene Länder sieht, bekommt man auch prägende Eindrücke. Bei eher ärmeren Ländern wie Kambodscha und Vietnam kommt man zurück und ist doch zufriedener mit dem, was man hat. Darüber hinaus lernt man sich selbst besser kennen und auch die Freunde, mit denen man unterwegs ist.

    Zwei Monate reiste Lennart Schneider durch Asien und sammelte viele unvergessliche Eindrücke – wie hier in Shanghai.

    Foto: privat

    Und wie hast du die Architektur, das Arbeiten und „die Kollegen“ in Asien wahrgenommen?
    Danach weiß man die deutschen (Sicherheits-)Standards einmal mehr zu schätzen. Beispielsweise wenn man sieht, wie sie in Thailand oder Japan die Elektroleitungen aus den Häusern schmeißen, um sie dann irgendwo dranzuknoten. Solche Szenen hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Gleichzeitig geben sie einem im eigenen Arbeitsalltag ein wenig Gelassenheit. Zum Beispiel kam ich einmal auf eine Baustelle und manche Gewerke wurden dadurch aufgehalten, dass mehrere alte MSR-Leitungen im Weg waren. Da habe ich einfach selbst die Zange genommen und diese durchtrennt, damit weitergearbeitet werden konnte. Hätten wir auf einen Elektriker gewartet, wäre es zu Verzögerungen gekommen.

    Wie hat diese Auszeit dein Verhältnis zu deinem Arbeitgeber geprägt?
    Ich fühle mich APOprojekt noch stärker verbunden – in erster Linie natürlich, weil ich hier die Chance hatte, diese Dinge zu erleben. Und das, ohne meinen Job dafür an den Nagel hängen zu müssen.

    Was ich schon vorher wusste, aber woran ich durch die Auszeit nochmals erinnert wurde, ist, die Gegenwart zu genießen. Das ständige höher, schneller, weiter habe ich vorerst hinter mir gelassen. Ich bin mit meiner aktuellen Situation als Projektmanager bei APOprojekt zufrieden. Ich betreue hauptsächlich die sogenannten DNA-Projekte. Bei meinen letzten 36 Projekten versuchte ich nach dem APOprojekt-Motto als Partner dem Kunden gegenüber aufzutreten. Aber auch ein faires Miteinander mit den Nachunternehmern ist wichtig. Das hat in 34 Projekten bisher gut funktioniert. Aber manche Kunden oder Nachunternehmer sind leider nicht an Partnerschaft interessiert, sondern von Anfang an auf Konfrontation aus. Wahrscheinlich hilft hier nur, wenn sie selbst auch ein Sabbatical wahrnehmen würden.

    Würdest du in einer Firma arbeiten, die eine solche Möglichkeit des Sabbaticals nicht in Aussicht stellt?
    Nein. So etwas würde ich auch bei einem Jobinterview direkt ansprechen. Den Begriff „Work-Life-Balance“ benutzen viele, aber nur wenige beherzigen ihn. Auf beiden Seiten. Da ist noch eine große Scheu, solche Angebote anzunehmen. Ich hatte häufig das Gefühl, dass sich Leute rechtfertigen, wieso sie es nicht machen, mit Gründen wie „Es geht nicht wegen der Kinder“ oder „Ich bin schon zu alt für so etwas“. Viele waren neugierig und wollten mehr über die Planung meiner Reise wissen. Aber selbst machen? Davor scheuen noch viele zurück. Dabei habe ich auf meiner Reise viele Leute aller Altersstufen und egal ob Single oder Familien mit Kindern getroffen, die teilweise viel länger in der Welt rumreisen.

    Und das nächste Sabbatical wird dann eine sechsmonatige Reise rund um die Welt?
    Nein, nach acht Wochen, zwölf Flügen und verschiedenen Hotels ist die Luft dann auch raus.

    Trotzdem würdest du es uneingeschränkt empfehlen, ein solches Unterfangen zu starten?
    Garantiert. Ich würde gerne das Angebot für eine weitere Auszeit von ein oder zwei Monaten im Jahr 2021 oder 2022 wahrnehmen.