• 02.04.2019 │ AUS DER LOUNGE

    Wo kann man denn hier kreativ sein

    „Video-Calls, Cloud-Dienste“…

    Foto: WiredScore

    Sebastian Seehusen ist 31 Jahre alt – und Director of Germany eines internationalen PropTech-Start-ups. Es nennt sich WiredScore und bewertet die Konnektivität von Büroräumen: Gibt es für eine konkrete Fläche Glasfaser, vermieterseitiges WLAN und Co.? Sebastian selbst und sein Team nutzen seit April 2017 ein Büro in Berlin, bei dem APOprojekt für den Innenausbau verantwortlich war.

    Sebastian, was ist top und was ist flop bei euren Räumen?

    Top sind die Lage und die Ausstattung. Wenn du als Start-up noch keinen großen Ruf hast, bringt das Akzeptanz und Glaubwürdigkeit. Viel natürliches Licht ist mir noch wichtig. Auch die Klimatisierung ist top. Und die Konnektivität ist sehr gut. Wir haben andere Flächen abgelehnt, die keinen Glasfaseranschluss haben.

    Aus Imagegründen?

    Klar. Wir zertifizieren Gebäude, ob sie tatsächlich ein schnelles Internet haben. Aber dass wir selbst auch eine hohe Geschwindigkeit zum Arbeiten brauchen, ist mehr als nur Image. Heute sind Video-Calls normal, Cloud-Dienste, und auch für alles sonst brauchst du ein gutes Netz. Wenn es mal zehn Minuten ausfällt, steht man plötzlich still und die Leute werden richtig sauer. Erst dann merkst du, wie wichtig das Thema geworden ist.

    Und was ist nun flop?

    Wir sitzen etwas zu eng. Der Belegungsplan ist auf Effizienz ausgelegt, das spürt man. Wir haben wenig Platz für persönliche Dinge, und wir wollen jetzt auch nicht alles verkramen, indem wir zusätzliche Möbel kaufen. Verstellbare Tische wären schön, so dass man beim Arbeiten auch mal stehen kann.

    Woran merkst du, dass die Lage stimmt?

    Wir sind zentral und ohne Taxi sofort am Berliner Hauptbahnhof, in der City-Ost und auch der City-West. Wäre das Büro nur ein paar Blocks weiter im Norden oder Süden, müssten wir mit der Tram oder S-Bahn schon einmal mehr umsteigen. Das klingt nicht viel, schreckt aber junge Talente schon ab. Wenn ein Unternehmen aktuell Jobs besetzen will, dann achtet es auf sowas.

    „…wenn das Netz mal zehn Minuten ausfällt, weißt du, wie wichtig das Thema geworden ist“, sagt Sebastian Seehusen.

    Foto: WiredScore

    So wie auf die Ausstattung, Stichwort Akzeptanz?

    Sie hilft tatsächlich auch, neue Kollegen zu gewinnen. Das Design hier ist verspielt, es gibt Lounge-Möbel, aber alles wird dann auch wieder klar, wenn es klar sein muss. Zum Brainstorming beispielsweise gibt es weiße Tafeln und sonst keine Ablenkung. Alles ist sehr hochwertig. Das reicht natürlich nicht alleine. Am Ende des Tages muss die Arbeit Spaß machen, und das Team muss stimmen. Der Austausch muss funktionieren.

    Aber Austausch kann auch wieder durch Räumlichkeit entstehen…

    Vielleicht ist hier die Küche ein Beispiel. Sie ist ein Treffpunkt, sie fördert den Teamgedanken. Die Büros hier laden aber einfach insgesamt dazu ein, dass man länger bleibt und sich austauscht. Da wird dann gleich der Hund mitgebracht, damit er nicht so lange alleine ist.

    Länger bleiben – inklusive Bier nach vier?

    Das ist selten bei uns. Wenn wir länger im Büro sind, dann meist für eine Fortbildung, für das berühmte lebenslange Lernen. Das fühlt sich zwar oft schon nach Freizeit an, wenn es gut gemacht ist, aber das Bier im Büro bleibt doch eher die Ausnahme. Wenn wir als Team etwas trinken wollen, gehen wir um die Ecke. Das Umfeld bietet jede Menge Bars und Restaurants.

    Dein Fazit in einem Satz?

    Man gewöhnt sich an eine hohe Qualität, und sie fällt einem dann nicht mehr auf, aber wenn ich in fremden Büros bin, denke ich oft: Wo kann man denn hier kreativ sein?