• 02.04.2019 │ AUS DER LOUNGE

    „Die letzten zwei oder drei Prozent“

    „Fotos wie ein Tourist“…

    Foto: verenafotografiert

    Hanna Rotarius, 34 Jahre, hat Volkswirtschaftslehre studiert und ist seit elf Jahren bei Frontier Economics – einer Wirtschaftsberatung mit sieben Niederlassungen in Europa. Hanna arbeitet in Köln. Dort hat Frontier Economics seinen Unternehmenssitz im November 2017 in eine neue Fläche verlagert: Die Innenarchitekten CSMM haben den Ausbau entworfen, APOprojekt hat die Ausführung in Zusammenarbeit mit dem Bauunternehmen Vollmer geleitet und realisiert.

    Ihr seid basisdemokratisch – außer in Bürofragen?

    Frontier Economics gehört im Prinzip allen seinen Mitarbeitern. Natürlich gibt es im Arbeitsalltag Unterschiede, die Rechte und Pflichten variieren je nach Position. Wenn wir aber beispielsweise übernommen werden sollten, könnte jeder mit seiner Stimme dagegen votieren. Für den Büroumzug haben wir allerdings einen Ausschuss mit nur vier Kollegen gebildet. Wir wollten mit den neuen Flächen nicht alles gleich lassen und einfach nur vergrößern, sondern über unsere Bedürfnisse nachdenken. Aber das nicht via Basisdemokratie.

    Aus Effizienzgründen?

    Du kannst nicht mit 30 Menschen die Farben von Teppichen diskutieren. Dafür war der Ausschuss dann aber bewusst mit sehr unterschiedlichen Charakteren besetzt. Ich war eine der vier Personen, und wenn es nur nach mir gegangen wäre, hätten wir heute zum Beispiel keine Fitnessecke mit Klimmzugstange. Wir haben auch einen Kicker, eine Tischtennisplatte, Liegestühle und eine Hängematte. Der Ausschuss hat in erster Linie überlegt, wie wir beim Innenausbau gleichzeitig den Bedürfnissen der Mitarbeiter und unseres Geschäfts gerecht werden können.

    Ohne Einschränkungen?

    Den Budgetrahmen mussten wir dabei natürlich einhalten und so auch entsprechende Kompromisse machen. Die Ideensammlung ist dann aber komplett in die Planung geflossen und wir waren während des gesamten Ausbaus direkt involviert. In einigen Räumen haben wir uns mit dem Schall verschätzt, aber das arbeiten wir jetzt noch nach. Außerdem sind die Wege jetzt länger, aber das ist zum Teil bewusst so gewählt und bietet ja auch wieder die Chance auf Kommunikation und Abwechslung vom Sitzen.

    …denn Hanna Rotarius hat beim Arbeiten den wohl direktesten Blick auf die Stadt Köln und den Rhein (der Rhein liegt in Sitzrichtung des Sofas).

    Foto: Annika Feuss, mit freundlicher Genehmigung von CSMM

    Hängematte klingt nicht nach Unternehmensberater…

    Unser Fokus liegt auf umfangreichen ökonomischen Analysen, die unseren Kunden praxisrelevante Ergebnisse und Einsichten geben. Wir gehen dabei jedes Projekt mit viel Einsatz und Kreativität an und glauben, dass uns das in einem ansprechenden Umfeld und mit zufriedenen Mitarbeitern am besten gelingt. Dazu gehört, dass man sich zwischendrin beim Kickerspiel neue Energie holt oder sich in der Hängematte über die neuesten Entwicklungen in der Energiewirtschaft informiert. Und unsere Meeting-Räume sind dann ja auch wieder großzügig, modern und repräsentativ, so wie man es von unserer Firma auch erwartet. Darauf achten Besucher aber am Anfang ohnehin nicht, weil es in ganz Köln wahrscheinlich kaum ein Büro mit einem direkteren Blick auf den Rhein und die Stadt gibt. Ich nehme mir ebenfalls jeden Tag einen kurzen Augenblick, um die Aussicht zu genießen und mache ab und zu Fotos wie ein Tourist.

    Eure Gesamtfläche wirkt dreigeteilt…

    Der Mittelbereich unterscheidet sich in seiner Funktion und Ausstrahlung, hier geht es nicht um das Repräsentieren, sondern um Abwechslung und Funktionalität. Wir wollten einerseits einen großen Raum, in dem wir uns alle versammeln können und auch gemeinsam Mittagessen können, und andererseits einen Bereich mit einer offenen, lockeren Atmosphäre für informelle Gespräche. Diese Break-out-Area hat einen fließenden Übergang in die Küche, den Kundenbereich und den Empfang. Im dritten Bereich stehen dann die Schreibtische, die sich übrigens alle zu Stehtischen hochfahren lassen. Hier gibt es ebenfalls interne Besprechungsräume, abgetrennte Stillarbeitsplätze und noch einmal eine plüschige informelle Zone. Diese Elemente dienen der Auflockerung, denn eine große offene Büroeinheit wäre zu langweilig und vor allem zu laut und unruhig gewesen. Aber „Openness“ und „Fun“ sind nun einmal Teil unserer Firmenwerte, die sich auch deutlich in der Arbeitslandschaft zeigen sollten.

    Springen da auch Bewerber auf die Offenheit an?

    Kein Bewerber wird sich für einen Job entscheiden, nur weil das Büro eine Mischung aus Start-up und konservativem Business ist. Aber wenn sonst alles passt, kann das schon die letzten zwei oder drei Prozent ausmachen. Vor allem sind wir glaubwürdig. Wenn wir von Offenheit und Augenhöhe sprechen, dann aber der Praktikant, der vielleicht eine Internetrecherche macht, einen schlechteren Arbeitsplatz hätte als derjenige, der ein Beratungsprojekt leitet oder an komplexen Berechnungen sitzt, dann wäre das einfach nicht stimmig.

    Dein Fazit in einem Satz?

    Es hat sich gelohnt, dass wir uns so viele Gedanken gemacht und mit einigen Entscheidungen Risiken eingegangen sind – das neue Büro ist nicht nur funktionell viel besser, sondern auch von der Atmosphäre her super.