• 09.09.2019 │ AUS DER LOUNGE

    „Der Luxus der Metropolen“

    „Nicht alle Start-ups wollen auch aussehen wie Start-ups …“

    Foto: COLLECTION Business Center

    Jakob Rieger, 33 Jahre alt, hat Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing studiert – er ist Online-Marketing-Manager bei COLLECTION Business Center. Das Unternehmen vermietet servicierte Einzel- und Gruppenbüros auf Zeit sowie Besprechungsräume in sechs Gebäuden im deutschsprachigen Raum. Jakob Rieger selbst ist mehrmals pro Woche für Meetings im Düsseldorfer „Dreischeibenhaus“ – ein Standort von COLLECTION. Den Innenausbau hat APOprojekt umgesetzt.

    Was sind das für Meetings, die dich immer wieder hierherführen?
    Wir nutzen einen der Konferenzräume, sofern sie nicht alle von Kunden gebucht sind, beispielsweise für unsere Vertriebs-, Agentur- und Projektmeetings. Wir sind je nach Anlass bis zu zehn Personen. Auf diesen Umfang ist unser Lieblingsraum ausgelegt.

    Und welche Unternehmen buchen sonst die Räume im „Dreischeibenhaus“?
    Wir haben hier immer wieder Rechtsanwälte und Unternehmensberater, aber auch Großhändler oder Immobilienunternehmen. Viele mieten einen Büroraum für vier Personen. Oder sie mieten gleich mehrere Räume. Auslöser kann zum Beispiel ein besonderes Ruhebedürfnis sein, das in einem bestehenden Großraumbüro vielleicht nicht erfüllt wird. Und es gibt den Fall der wachsenden Unternehmen, die am Anfang noch auf Flexibilität ohne einen langjährigen Mietvertrag bauen. Sie nehmen dann immer wieder mal einen neuen Raum dazu. Insgesamt haben wir 14 Büroräume im „Dreischeibenhaus“.

    Geht der Trend nicht weg vom Einzelbüro?
    Wir sehen in den Branchen, die bei uns mieten, einen gewissen Widerwillen gegen das Arbeiten in Großraumbüros ohne festen Arbeitsplatz. Zumindest wollen unsere Kunden fast immer überschaubare, abgetrennte Bereiche und keine Hot Desks. Natürlich gibt es immer wieder auch gute Großraumlösungen. Aber manches Start-up sitzt mit 40 Leuten in Büros, die nur für 20 ausgelegt sind. Das ist ja oft auch ein Kostenfaktor. Trennwände sind teurer als Trennmöbel, und wer Arbeitsplätze enger anordnet, spart Mietfläche. Wir haben in jedem Fall auch viele Einzelunternehmen hier, die sich wegen einer Messe für einen Tag bei uns einmieten. Auch sie wollen ihren eigenen Bereich und nicht mit drei anderen Einzelunternehmern in einem Raum sitzen. Nicht mal für diesen einen Tag.

    Also bewusst kein Start-up-Feeling?
    Unsere Räume tun nicht so, als seien sie von einer Garagengründung inspiriert. Wir haben ruhige erdige und silberne Töne, sie erinnern eher an den Luxus der Metropolen als an ein Start-up. Spannenderweise gibt es aber durchaus Gründer, die genau hier ihre Geldgeber treffen. Sie passen sich halt an. Das ist völlig legitim. Ich habe selbst für ein Start-up gearbeitet. Wir haben die Jeans auch mal gegen den Anzug getauscht. In einer Agentur habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht: Dress to impress. Warum nicht auch „Rooms to impress“?

    Bei wem zeigt sich das besonders?
    Bei FinTechs zum Beispiel. Generell möchten nicht alle Start-ups auch aussehen wie Start-ups. Ohnehin ist heutzutage jeder sechste Gründer 50 Jahre oder älter. Sie wollen anders repräsentieren als mit 30. Und junge Unternehmen werden auch älter und etabliert.

    „… denn potenzielle Investoren trifft man nicht an der Tischtennisplatte”, sagt Jakob Rieger.

    Foto: COLLECTION Business Center

    Wobei doch gerade die Etablierten auf Kicker und Co. stehen …
    Es gibt definitiv einen Markt für den Start-up-Look. Aber es gibt eben auch einen für unseren Look und für einen Grundriss, der nicht ganz so offen ist und mehr Privatsphäre erlaubt. Und mehr Diskretion. Wir haben hier zwar auch viele Glasfronten, aber sie tragen Muster, sodass nicht alles transparent ist. Ich habe eine Kollegin, die sagt, dass sie nicht arbeiten kann, wenn drei Leute auf ihren Bildschirm gucken. Viele Unternehmen nutzen unsere Räume auch bewusst für ihre Bewerbungsgespräche. Ich war auch hier zum Bewerbungsgespräch.

    Ein kurzes Fazit zum Abschluss?
    Viele Start-ups sind nur so lange locker, wie es noch nicht um das große Geld geht, und potenzielle Investoren trifft man nun mal doch eher hier als an der Tischtennisplatte.